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Jan Schmelcher
die brutus papiere, 2007

jan schmelcher
die brutus papiere

Der aus Wiesbaden stammende Künstler Jan Schmelcher war Zeit seines Lebens viel unterwegs. Von seinem Studienort Frankfurt reiste er an die 30 Mal nach Paris und landete schließlich in Tokio, wo er während der vergangenen drei Jahre lebte. Auf Reisen begibt sich auch der Betrachter der Werke, die in der Galerie Greulich ausgestellt sind. Denn er durchlebt den Prozess des Suchens und Findens der an verschiedenen Orten gesammelten Fundstücke, aus denen der Künstler teils großformatige, auf Leinwand geklebte, teils kleine, auffällig gerahmte Collagen geschaffen hat. Diese haben für ihn selbst die Bedeutung von „totemischen Maschinen“ in Anlehnung an die Totems der Indianer Nordamerikas, die eine Art Schutzgeist darstellen und den Menschen in unterschiedlichsten Situationen Hilfestellung geben. In der Tat finden sich in Schmelchers Collagen viele esoterische Verweise wie Anzeigen von Wahrsagern und selbsternannten Heilsbringern oder Horoskope aus alten französischen Zeitungen. In diesem Kontext wirken die chinesischen Schriftzeichen, die ebenfalls immer wieder auftauchen, kryptisch und geheimnisvoll.

Der Teufel steckt bei Schmelchers Arbeiten im Detail. Der Betrachter muss sich Zeit nehmen, um die Werke zu lesen und sich mit ihnen auseinanderzusetzen. Dabei wird er unter anderem auf eine Reihe zwielichtiger Protagonisten stoßen, die der Künstler in seinen Arbeiten auftreten lässt und die der Ausstellung ihren Namen gaben: Marcus Iunius Brutus Caepio, genannt Brutus, war einer der Mörder Julius Cäsars. Die in ihrer mal mehr, mal weniger subtilen Bösartigkeit herrlich amüsanten Figuren, die der Künstler mit Kugelschreiber zeichnet, finden sich in einer großen Anzahl der Werke wieder.

Eines dieser Werke, das in seiner extravaganten Präsentationsform - es handelt sich um mit Stecknadeln an die Wand der Galerie gepinnte Zeichnungen - als Installation bezeichnet werden könnte, beschäftigt sich ausschließlich mit den von Schmelcher entworfenen Charakteren. Dem Betrachter werden hier Ausschnitte einer Geschichte erzählt, bei der es um Verbrechen sowie die Frage nach Schuld und Sühne geht. Dabei amüsiert der Künstler nicht nur, sondern hält den Betrachter dazu an, diese Geschichte weiterzudenken und sich schließlich mit seinen eigenen Moralvorstellungen und, womöglich, seinen eigenen (ungesühnten) Sünden auseinanderzusetzen.

Max Ernst, der als Erfinder der Collage gilt, definierte diese Technik als „die systematische Ausbeutung des zufälligen oder künstlich provozierten Zusammentreffens von zwei oder mehr wesensfremden Realitäten auf einer augenscheinlich dazu ungeeigneten Ebene - und der Funke Poesie, welcher bei der Annäherung dieser Realitäten überspringt“. Wenn sich der Betrachter der Kunst Schmelchers öffnet, wird er bei der Auseinandersetzung mit dessen Arbeiten diesen Funken spüren.


Text: Dorothee Krüger