Amalia Theodorakopoulos
Mutterliebe
"Ich möchte die Macht des Bildes spüren und denken."
Mit diesen Worten beendete Amalia Theodorakopoulos einmal einen Vortrag über ihre Arbeiten. In ihren Gemälden konzentriert sich Amalia Theodorakopoulos ganz auf die Möglichkeiten des Bildes. Das Bild, einmal als Malerei aber auch als Träger von Bedeutung und Projektionsfläche von Assoziationen.
Die Gemälde von Amalia Theodorakopoulos zeichnen sich in ihrer Figürlichkeit durch Reduktion und Konzentration aus. Das farbliche Spektrum ist in den einzelnen Arbeiten beschränkt. Tonige Grauwerte sind zuweilen vorherrschend, dann noch Grüntöne. Auch in den Bildkompositionen konzentriert sich die Malerin: Details werden nur gezeigt, wenn sie von Bedeutung sind. Alles andere wird weggekürzt. Dadurch wird der Hintergrund oft zu einer rein malerischen Fläche, wie etwa bei dem Gemälde "Protagonisten der Volksmusik" aus dem Jahr 2004.
Was uns Amalia Theodorakopoulos in ihrer Motivwelt zeigt ist nicht immer auf den ersten Blick klar. Männer und Frauen im Gras, eine liegender Kopf, ein Gruppenbild einer Familie. Und da sind wir schon auf der zweiten Ebene von Amalia Theodorakopoulos Malerei: Die Macht des Bildes denken!
Das Wechselspiel von Bilderscheinung und Bildinhalt ist von großer Aktualität, gerade heute, wo uns Kulturwissenschaftler schon auf der Schwelle von der Schriftkultur zur Bildkultur sehen. Amalia Theodorakopoulos eröffnet mit ihren Titeln immer wieder einen neuen Blick auf ihre Gemälde. "Zar Alexander II", "Soldat" oder "Franz Ferdinand" verweisen auf eine Geschichte, die hinter den Bildern zu stecken scheint. Die Frage ist: Muss man die Geschichten kennen, um die Arbeiten zu verstehen? Man muss nicht, auch wenn das Wissen um die Bildvorlagen vielleicht ein gewisses Moment der historischen Spannung erzeugt.
Es geht bei der Malerei von Amalia Theodorakopulos nicht darum, ein Ereignis, eine Person zu dokumentieren oder politisch Position zu beziehen, sondern darum, die Ebenen des Bildes aufzuzeigen. Die Ebene der Erscheinung und die der Bedeutung. Dass sich diese beiden Ebenen entsprechen müssten ist ein Märchen, dem der Betrachter gerne aufsitzt. Die Arbeiten Amalia Theodorakopoulos belehren uns eines Besseren. Der Soldat, von dem wir nur den liegenden Kopf sehen, wird zum malerischen Ereignis. Dennoch wollen die Gemälde nicht schockieren, ganz im Gegenteil. Erst auf den zweiten Blick eröffnen die Arbeiten ihre "Problematik". Aber mit der Entscheidung ob man sich an den Gemälden "erfreuen" darf oder nicht, wird der Betrachter alleine gelassen.
Eines ist auf jeden Fall sicher: Amalia Theodorakopulos verlangt, Rechenschaft über die eigene Wahrnehmung abzulegen, sie verlangt es von sich selbst und sie verlangt es von uns als Betrachtern.
Amalia Theodorakopoulos
1971 geboren in Köln
1991-97 Studium an den Akademien in Mainz, Karlsruhe und Frankfurt bei Friedemann Hahn, Luc Tuymans, Christa Näher, Andreas Slominski und Thomas Bayrle
1997 Ida Gerhardi-Förderpreis der Stadt Lüdenscheid
seit 2000 Lehraufträge für Malerei an der Akademie für Bildende Künste, Johannes Gutenberg-Universität Mainz
2002 Lingener Kunstpreis
2003 Fritz-Terfloth-Preis, Münster
lebt in Frankfurt am Main
Einzelausstellungen:
1998 Republik Flugzeug, Ausstellungsraum XY, Hamburg
1999 K3R, Kunstverein Konstanz (mit Joachim Hirling und Kattrin Richter)
2000 Nord/West-Passage II (mit Katja Strunz), Museen der Stadt Lüdenscheid
2001 Ein Ganzes Kapital, Oberhessisches Museum, Giessen
2002 Nazizimmer, Menschenraum, Berlin
Kunsthalle Kunstverein Lingen
2003 Hang zu Randgruppen, Kunstverein Schallstadt
2004 Aber wie tot!, Morat-Institut für Kunst und Kunstwissenschaft, Freiburg im Breisgau
Mutterliebe, Galerie Greulich, Frankfurt a. Main
2005 Neue Kunst Gallery, Athen
Kunstverein Wilhelmshöhe, Ettlingen
Gruppenausstellungen (Auswahl):
1999 genre painting, G7, Berlin
2001 Kunst Macht Würde, Bundesverfassungsgericht Karlruhe
Erforschung des Horizonts, St. Petri, Lübeck und Kunsthalle Göppingen
2003 Lingener Kunstsammlung, Kunsthalle Kunstverein Lingen
Make It New!, Ausstellungsreihe Dresdner Kleinwort Wasserstein/ Portikus, Frankfurt a.M.
In Memoriam Bob Ross, Kunstverein Konstanz und Kunsthaus Wiesbaden
Horst-Janssen- Museum Oldenburg
Macht & Tränen, Arsenal HKM1, Mainz
2004 Fuck You - It´s all Flowers, Turboplex, Berlin
Alptraum, Kita Küche, Berlin
Galeriade, Neue Kunst Gallery, Athen